Was jeder Musiker über Motivation wissen sollte

Was jeder Musiker über Motivation wissen sollte

Was ist denn eigentlich Motivation? Motivation bedeutet nichts anderes als „Lust“ auf etwas zu haben! Ja, es geht um ein Wohlgefühl, um Leichtigkeit, Freude und positive Gefühle in dir. Letzten Endes wollen wir nichts anderes, als uns wohl zu fühlen, oder? Der folgende Artikel soll dir eine Hilfestellung bieten, wie du deine Motive findest, die dir Wohlgefühl, Leichtigkeit und positive Gefühle beim Üben und Musizieren bringen.

Das Erlernen eines Musikinstruments ist bekanntlich ein langwieriger Prozess, in dem sicher so manche Übekrise überwunden werden muss. Selbst berühmte Musiker sind davon nicht verschont geblieben. Nigel Kennedy beispielsweise erinnert sich recht genau:

„Als Kind habe ich die Geige richtig gehasst. Man muss diese Fiedel aus dem Kasten holen, den Bogen spannen, die Saiten stimmen. Wenn man dann weiß, wo die Noten sein sollen, rutscht man mit seinen kleinen Fingern ab. Man legt den Bogen auf die Saiten, und es kommt so ein diabolisches Krächzen. Es ist erbärmlich und noch nicht mal richtig schön laut. … Für kleine Kinder ist das traurig. Ich habe dann eine Weile Klavier gespielt. Später, da war ich schon Schüler bei Yehudi Menuhin, habe ich mich immer wieder geweigert zu geigen. Ich mochte es einfach nicht, … weil es so viel Mühe erfordert, sie richtig zu spielen. Inzwischen spiele ich gern. Es bringt mich in einen eigenen, anderen Raum, in dem ich mich nicht mit den üblichen Problemen des Lebens beschäftigen muss.”

Um aus solchen Krisen heraus zu kommen, ist es wichtig seine eigenen Motivationsstrukturen und -möglichkeiten zu kennen.

An sich sind wir von Natur aus auf Motivation programmiert. Unser Gehirn unternimmt schon von sich aus alles, um unser Leben zu optimieren, es so angenehm wie möglich werden zu lassen. Das Prinzip ist einfach: Wenn unser Gehirn etwas Positives registriert hat, werden Glückshormone wie Dopamin ausgeschüttet. Diese sorgen für ein Gefühl der Belohnung. Wenn wir die Spirale der Glückshormone erst einmal in Gang gesetzt haben, verlangt unser Gehirn nach weiteren positiven Impulsen, die wiederum Glückshormone produzieren. Auf diese Weise wird ein Prozess der Selbsmotivierung in Gang gesetzt. Das befeuert unseren inneren Antrieb und versorgt uns dauerhaft mit Energie. Dieser innere Antrieb wird in der Psychologie als intrinsische Motivation bezeichnet. Sie kommt von innen heraus, ist also nicht direkt von äußeren Impulsen abhängig. Wir werden aktiv, weil wir etwas als interessant, spannend und herausfordernd empfinden. Die Handlung selbst wird gewissermaßen als Belohnung für die besondere Anstrengung empfunden.

Aus vielen Alltags- und Freizeitbeschäftigungen wissen wir, dass die intrinsische Motivation nur bedingt über längere Zeiträume anhält. Wir haben nicht immer Lust, uns für etwas anzustrengen. Vor allem dann nicht, wenn die Aufgabe schwierig zu bewältigen ist oder sich das Erlernen einer neuen Fertigkeit über einen längeren Zeitraum erstreckt. Dann gibt es immer wieder Momente, wo auch extrinsische Impulse dazukommen müssen, um durchzuhalten.

 

Um deine Selbstmotivation dauerhaft in Gang zu halten haben sich 5 Wege besonders bewährt:

  • Persönliche Motive bewusst machen
  • Erinnerungen an Erfolge wach halten
  • Positive Ziele setzen
  • Optimale Übebedingungen schaffen
  • Sich selbst belohnen

 



1. Persönliche Motive bewusst machen

Finde die persönlichen Motive deines Tuns, deines Übens. Anstatt das Üben oder sogar das Musizieren als sinnlos oder als Zwang zu empfinden, solltest du versuchen den Sinn hinter deiner Tätigkeit zu entdecken. Der Mensch ist nun einmal ein sinnsuchendes Wesen und von daher ist es völlig normal, wenn du nicht zu 100& motiviert bist, solange du dein Warum nicht kennst. Wenn diese Sinnlosigkeit auftaucht ist sie nicht von gottgegeben, sondern hausgemacht. Denn du bestimmst was du denkst und wem oder was du Sinn gibst.

Nimm dir ein paar Augenblicke Zeit und schließe deine Augen. Jetzt stelle dir ganz detailliert das Ergebnis deines Tuns, deines Übens vor. Finde deine Motive. Tauche ein. Je genauer du deinen Traum träumst, desto mehr Details kommen von selbst. Lass die Begeisterung wieder aufflammen, die du einst für das Üben, für das Musizieren gefühlt hast. Begeisterung und Lernen gehen immer Hand in Hand. Die innere Anziehungskraft lebt von der Begeisterung. Und nur mit der inneren Anziehungskraft der Bilder wirst du deinen Traum auch wirklich erreichen.



2. Erinnerungen an Erfolge wach halten

Freude ist die stärkste Motivation überhaupt. Erfolgserlebnisse, das Glück, etwas geschafft zu haben, der innere Jubel, der zuversichtlich stimmt - die Fähigkeit zu solchen Gefühlen ist in unserem Nervensystem fest verankert. Der Körper schickt Botenstoffe aus, die uns regelrecht belohnen - mit Zufriedenheit, Zuversicht und guter Laune.

Das mag jetzt banal klingen, aber weiß du, was dich inspiriert oder in eine positive Stimmung bringt? Weiß du es genau? Und setzt du dieses Wissen aktiv ein?

Denke an ein positives Ereignis in deiner Vergangenheit. Wo hast du ein besonders gutes Konzert gespielt? Wo hast du eine besondere Erfahrung beim Üben gemacht? Wo hast du eine tolle Probe mit anderen gehabt? Beschwöre lustige oder bedeutende Erinnerungen herauf. Lege dir ein Erfolgsjournal an und schreibe alle Erfolgserlebnisse in dieses Heft. Dann kannst du sie dir noch einmal durchlesen, wenn du dich schlecht fühlst.

Beim Aufschreiben deiner Erfolge versuche möglichst genau zu sein. Erinnere dich, was du genau gesehen hast, was du gehört hast, was du zu dir selbst gesagt hast. Welche Gefühle hattest du dabei? Wo genau hast du diese Empfindungen gespürt? Welche Geschmacks- oder Geruchsempfindungen fallen dir zu deinem Erfolgserlebnis ein?

Schreibe in dein Erfolgsjournal alles positive zu dir herein was dir einfällt. Was kannst du? Worauf bist du stolz? Bist du sportlich, mutig, hast du ein gutes Gedächtnis?

Wenn du dich an deinen positiven Erfolgen festhältst, fördert das dein Selbstbewusstsein. Hole dir immer wieder Feedback zu deinen individuellen Fortschritten auch von anderen ein und stelle auch selbst immer wieder fest, was du schon erreicht hast. Ignoriere Selbstkritik so gut es geht, indem du deine Erinnerung an deine Erfolge wachhälst.



3. Positive Zielsetzung

Hast Du Dein Ziel klar vor Augen? Könntest Du ein Bild davon malen? Begeistert Dich die Vorstellung, dass Du Dein Ziel erreichst? Stellst Du Dir regelmäßig vor, dass Du Deine Ziele bereits erreicht hast? Wenn Du eine dieser Fragen mit “nein” beantwortet hättest, dann darfst Du nacharbeiten.
Dinge, die wir uns bildlich vorstellen, treten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch ein. Also stelle dir dein gewünschtes Ziel bildhaft vor und halte dich nicht an den Dingen auf, die du nicht willst, sondern visualisiere das, was du erreichen möchtest.

Wenn du dein Ziel eindeutig identifiziert hast, stelle dir die Frage: „Fließt meine Energie in meine Ziele, die ich bewusst verfolge?” Denn nur wenn du wirklich alles da hinein gibst dein Ziel zu erreichen, wird es auch zu dir kommen.

Konzentriere dich nicht auf das gesamte Projekt, sondern nimm dir einzelne kleine Ziele vor und erledige sie Schritt für Schritt. Wenn du die ganze Aufgabe siehst weißt du nicht was zu tun ist. Dadurch bekommst du Angst überhaupt anzufangen. Jede große Aufgabe erscheint leichter, wenn sie in ihre Einzelteile zerlegt wird.



4. Optimale Übebedingungen schaffen

Versuche so zu üben, dass nicht am Anfang deiner Übezeit Enttäuschung entsteht. Wärme dich zunächst auf und zwar muskulär, geistig und emotional. Habe Geduld mit dir! Es zahlt sich aus!

Sorge dafür, dass alle äußeren Bedingungen optimal sind:

Liegt mein Instrument bereit? Komme ich schnell dran?
Steht der Notenständer schon spielbereit?
Sind die Noten griffbereit oder stehen womöglich schon auf dem Notenständer?
Habe ich die nötige Ruhe zum Üben? Ist mein Handy aus? Könnte mich das Telefon stören?
Ist in meinem Übezimmer die Heizung auf die richtige Temperatur gestellt?
Sind die Lichtverhältnisse optimal?
Brauche ich sonst noch etwas? Einen Stuhl, einen Spiegel etc.? Steht auch das bereit?

Versuche dein heute nicht mit dem Gestern zu vergleichen. Gestern warst du in einer ganz anderen Stimmung. Wichtig ist nur, dass du in den ersten Minuten heute in deine optimale Übestimmung eintauchst. Beginne mit einer Musik, einem Stück, das du emotional und körperlich genießen kannst. Nach der Aufwärmphase kann das Üben schwerer Stellen viel mehr Spaß machen.



5. Sich selbst belohnen

Es muss nicht immer das Stückchen Schokolade sein, dass du nach einer guten Übesequenz zu dir nimmst. Suche dir z.B. ein Lieblingsstück oder eine Passage in deinem Stück, die dir besonders gut gefällt und spiele diese als Belohnung zum Abschluss.

Viel Spaß beim Reiten auf der Welle des Erfolgs!

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